Thema: Interaktion

Menschliche Interaktion legt im Unterschied zu Kommunikation (Link) ein größeres Gewicht auf den Zwischenbereich zwischen Menschen und was in diesem passiert. Insofern wird in diesem Begriff bereits unterstellt, dass hier etwas geschieht, das über die Absicht einzelner hinausgeht. Tatsächlich ist es so, dass die Art und Weise, wie einer oder mehr Menschen miteinander umgehen, von diesen geschaffen, erzeugt wird. Diese Beziehungsdynamik lässt sich nur als sich wechselseitig bedingend oder zirkulär begreifen.

D.h. das Verhalten von A wird neben verschiedenen Situationsbedingungen durch das von B hervorgerufen und umgekehrt.

Beispiel:
Der Mann geht ins Wirtshaus, weil die Frau nörgelt.
Die Frau nörgelt, weil der Mann ins Wirtshaus geht.

Welches Verhalten zuerst stattgefunden hat, weiß irgendwann keiner mehr. Hier handelt es sich um ein sich wechselseitig bedingendes Verhalten oder: zirkuläre Feedback-Schleifen. Es handelt sich nicht um lineare Reiz-Reaktions-Ketten. Menschliches Verhalten ist komplexer und vieldeutiger.

Im obigen Beispiel liegt eine Zwei-Personen-Situation vor. Bei einer Gruppe von Menschen werden die zirkulären Schleifen vielfältiger, mit einer großen Zahl an Wechselwirkungen, die wir vermutlich nicht vollständig nachzeichnen können. Allerdings wird es auch so sein, dass eine Veränderung an einer Stelle, d.h. bei einer Person, Auswirkungen auf die Interaktion der Gesamtgruppe haben wird. Voraussetzung hierfür ist, dass auch größere Gruppen ihre Art der Kommunikation selbst erzeugen und für den Erhalt des einmal gefundenen Systems sorgen. Denn Stabilität erzeugt Sicherheit, während Unsicherheit ein Motiv für Veränderung darstellt. So gibt es in Gruppen Elemente, die für die Stabilität sorgen, und andere, die für die Veränderung sorgen. Insofern erweisen sich Gruppen dann als höchst anpassungsfähig, wenn sie Wege für ihre eigene Veränderung gefunden haben. Einer dieser Wege ist Feedback und Einbeziehung der Meta-Ebene der Kommunikation.

Für Führungskräfte ist es von entscheidender Bedeutung, dass sie ihr Verhalten in Bezug auf die zu führende Gruppe abstimmen und sich gleichfalls in guter Übereinstimmung mit tragenden Strukturen des betrieblichen Systems befinden. Wird der Widerspruch hier zu stark, kann die Führungskraft vermutlich keine weiteren Führungsaufgaben übernehmen, weil der Konflikt auf der Ebene der Organisation zu stark wird.