Thema: Arbeit mit dem inneren Team

Die Arbeit mit dem inneren Team ist eine effiziente Möglichkeit, an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten und auch in Bezug auf Führung die wesentlichen Persönlichkeitsanteile zur Verfügung zu haben. Sie greift auf eine künstliche Aufteilung der Persönlichkeit zurück, denn natürlich handeln wir immer als ganze Person. Aber aufgrund bestimmter äußerer Umstände haben wir nicht immer alle Persönlichkeitsanteile gleichermaßen zur Verfügung, auch wenn das zielführend und situativ angemessen wäre. So teilen wir künstlich etwas auf, um es dann wieder in adäquaterer Weise zusammen zu setzen.

Über die Arbeit zum inneren Team gibt es recht viele praktische Ansätze, theoretisch ist darüber recht wenig reflektiert worden. Die Grundlagenliteratur bei Schulz von Thun ist meines Erachtens hierzu auch nicht ausreichend. Wir können aus systemischer Sicht sowohl praktisch als auch theoretisch klarere und in sich konsistentere Modelle anbieten.

Im systemtheoretischen Konstruktivismus wird festgelegt, dass Systeme definiert werden durch den Beobachter, der Grenzen des Systems und damit das System selber innerhalb dieser Grenzen festlegt sowie die Elemente, die dazugehören. Wenn dies für ein äußeres System gilt, dann gilt es auch für ein inneres, sofern wir die Grenzen so definieren wollen. Wenn wir die Psyche eines Menschen als System begreifen, dann können wir hier unterschiedliche Elemente herausfiltern. Elemente, die als solche nicht objektiv sichtbar sind, sondern Elemente, die wir extrahieren aus dem, was die Person tut. Im Hintergrund dazu sind verschiedene Persönlichkeitstheorien, die das innere System in sich konfigurieren helfen.

Wenn wir beispielsweise in die Transaktionsanalyse schauen, so gibt es dort verschiedene Strukturen innerhalb des Ich, die in der Transaktionsanalyse auch als Rollen formuliert worden sind. Diese Rollen und Funktionen lassen sich als Elemente des inneren Systems nutzen. Genauso können wir, wie es Virginia Satir in ihren Partspartys gemacht hat, unterschiedlichste Elemente herausfiltern, die für den Ablauf des inneren Prozesses eine Rolle spielen. Virginia Satir hat hier symbolische Darstellungen einfließen lassen. Symbolisch gesehen können wir Eigenschaften einer Person abbilden in Form von historischen Personen oder literarischen Personen, Märchenfiguren etc.

So lassen sich schon bei Virginia Satir Hinweise finden, wie das innere System betrachtet werden kann und wie mit ihm gearbeitet werden kann. Innere Systeme sind also in ihrer Definition sehr stark abhängig davon, wie der Theoretiker oder der Therapeut bzw. Trainer Persönlichkeiten zusammengesetzt sieht. Denn wir müssen uns klar darüber sein, dass es sich hierbei um theoretische Konstrukte handelt, die nicht der Wirklichkeit entsprechen, sondern um Elemente, die aus dem Fluss der Ereignisse extrapoliert sind, was ja u.a. auch immer wieder zu Kritik an Persönlichkeitstests geführt hat. Dennoch kann es sinnvoll sein, solche Elemente zu Grunde zu legen und deren Wirksamkeit zu beobachten; denn was wir aus psychologischer Sicht immer wieder erleben, ist, dass unterschiedliche Persönlichkeitsanteile sich gegenseitig blockieren können. Dass beispielsweise die Freude an der Bewegung blockiert wird von der Angst sich zu zeigen, so dass die Freude an Bewegung dann nur außerhalb von Beobachtungssituationen erlebt werden kann, wohingegen in Beobachtungssituationen die Angst im Vordergrund steht.

Diese Ambivalenz, deren unterschiedliche Elemente durch Interviewtechniken etc. herausgearbeitet werden können, sind Teil unseres Alltags und sind, wie oben beschrieben, systemtheoretisch begreifbar. Konstruktivistisch gesehen ist es auch nicht notwendig, dass die so extrapolierten inneren Elemente tatsächlich existieren (der philosophische Streit zwischen Realisten und Nominalisten bedarf keiner Neuauflage), sondern indem wir diese für wirklich halten, schaffen wir eine Realität, mit deren Hilfe sich das innere Geschehen strukturieren und beobachten lässt.

Wenn wir das einfachste Modell anschauen, nämlich eine Ambivalenz, dann behindern sich gegenseitig zwei sich widersprechende Elemente, so dass, wie im oben dargestellten Beispiel, ein expressiver Ausdruck im Beisein von anderen Personen nicht möglich wird.
Mit diesen so angenommenen Elementen ist es möglich, systemisch zu arbeiten beispielsweise mit Hilfe von Skulpturen, indem diese beiden ambivalenten Elemente in einer Skulptur abgebildet werden, visualisiert werden und so auch zueinander in Beziehung gesetzt werden. Darüber hinaus ist es möglich, diese zwei Elemente in Beziehung zu setzen zu der Person, die das Problem innehat. Wir könnten auch in der Terminologie der Transaktionsanalyse oder Psychoanalyse sagen in Beziehung zum Ich, das ja der Organisator, der Regisseur der Handlungen idealerweise sein soll. Durch diese Art der Arbeit ist es möglich, das Verhältnis der beiden Elemente oder Persönlichkeitsanteile zueinander zu verdeutlichen, und so herauszuarbeiten, worin die Schwierigkeit besteht. Wenn wir problemorientiert vorgehen, lassen wir das Problem stehen, um es dem Individuum zu ermöglichen, seine eigene Lösung für dieses Problem zu finden, und machen keine Vorgaben. Im lösungsorientierten Ansatz ist es möglich, mit Hilfe der Skulptur und einigen Umstellungen innerhalb der Skulptur einen Ansatz für eine Lösung zu erarbeiten, die für die betreffende Person stimmig ist, die aber die Gefahr beinhaltet, dass eine ideale Lösung übergestülpt wird, ohne dass die Möglichkeiten des Probleminhabers berücksichtigt sind.

Eine zweite Anwendungsmöglichkeit dieses Modells, bezogen auf den inneren Vorgang, ist das Konfliktgeschehen zwischen zwei Personen. Grundsätzlich können wir dazu sagen, dass ein Konflikt mit einer anderen Person nur möglich ist, wenn am entsprechenden Platz des Konfliktes in Person A etwas vorbereitet ist, so dass das Verhalten von Person B für Person A zum Konflikt werden kann, sprich die Konfliktbereitschaft in Person A ist so vorbereitet, dass das Verhalten von Person A als Konflikt erlebt wird. Dass es als Konflikt erlebt werden kann, hängt mit früheren Erfahrungen von A zusammen. Systemisch gesehen handelt es sich darum, dass Person A die eigene Wirklichkeit so konstruiert – und zwar auf Basis der biographisch erworbenen Vorerfahrung –, dass für sie Person B mit ihrem Verhalten zum Konfliktpartner werden kann. D.h., dass Person A mit Person B und ihrem spezifischen Verhalten überhaupt einen Konflikt haben kann, sagt etwas über die innere Verfassung von A aus.

Wenn wir uns das graphisch vorstellen, können wir uns ein Modell der physikalischen Optik hernehmen. Das spezifische Verhalten von B mit seinen Elementen fällt sozusagen durch die Linse der Wahrnehmung von Person A. Die für den Konflikt wichtigen Elemente treffen auf die vorbereiteten Elemente in Person A und haben dort ihre Entsprechung, so dass es überhaupt für Person A zum Konflikt werden kann. Mit anderen Worten: die Konfliktpartner von A spielen eine Rolle in der inneren Szene von A, die konflikthaft ist und immer wieder auch dieselbe Art von Konflikten hervorbringt. Wenn wir ein Beispiel nehmen, dann könnte dies folgendermaßen aussehen: Person B verhält sich sehr unruhig, flatterig, fahrig, das löst bei Person A Stress aus. Das fahrige Verhalten von B fällt auf eine Erfahrungsfolie von A, auf der gespeichert ist, dass A immer wieder abgewertet wurde von der Mutter, wenn diese ein ähnlich flatteriges Verhalten gezeigt hat, so dass das Verhalten von B bei A die Angst vor Abwertung auslöst, insofern den alten Konflikt reaktiviert und auf diesem Wege das äußere Konfliktgeschehen erst möglich macht. Für eine dritte Person C ist das fahrige, flatterige Verhalten von B nicht gerade angenehm und kann aber von C weitgehend unbeachtet bzw. ausgeblendet werden als nicht wesentlich für die Gestaltung der Situation.

Auch hier können wir mit systemischen Techniken weiterarbeiten, indem wir in einer komplexeren Skulptur den Vorgang visualisieren, so dass die konflikthaften Anteile beider Personen neben dem Probleminhaber sichtbar gemacht werden und damit bestimmte Wirkungen deutlich werden lassen. Wenn durch die Visualisierung für beide Personen der Vorgang deutlicher geworden ist, ist es oft möglich, ein tieferes Verständnis zwischen A und B aufzubauen, so dass der Konflikt sich relativiert, bzw. die subjektiv empfindliche Komponente von A eingeordnet werden kann und nicht mehr denselben Stellenwert einnimmt. Sehr häufig haben wir die Situation einer wechselseitigen konflikthaften Stimulierung bei zwei Personen, so dass die Reaktion von A auf B’s Verhalten für B zum Problem wird, was wiederum bei B auf ein biographisch erworbenes Konfliktmuster verweist.

Gerade der zuletzt erläuterte Zusammenhang verweist auf innere Vorgänge, die denen der traumatisch bedingten Reaktion gleichen: Spezifische Stimuli lösen ein spezifisches Verhaltensmuster aus, das von der Person nicht bewusst beeinflusst werden kann: Die Voraussetzung dafür, dass das Verhalten von A für B zum Problem wird, ist ein vorausgegangener traumatischer Vorgang im Leben von B, der mit ähnlichen Ereignissen und Bedingungen einher gegangen ist wie die kritische Situation. Wenn nun diese Ereignisse oder Teile davon in der Gegenwart auftauchen und von B wahrgenommen werden, dann kommt es zur automatisierten traumatischen Abreaktion. Für traumatische Reaktionen ist es unerheblich, ob es tatsächlich zu einem schweren belastenden Vorfall, wie einem Unfall gekommen ist, oder zu immer wiederkehrenden kleineren bremsenden oder zurückweisenden Reaktionen anderer. Diese Reaktionen können, wenn sie ausweglos erscheinen, traumatisch verarbeitet werden. Neuere Techniken der Traumatherapie wie ROMPC® haben hier die Möglichkeit entwickelt, diese Automatismen zu unterbrechen, indem diese Techniken direkt auf den Teil im Gehirn einwirken, der als Feuermelder die Notfallreaktion in Form der traumatischen Reaktion auslöst; die Amygdala. Mit Hilfe spezifischer Entkoppelungstechniken kann diese Reaktion gestört werden, sobald sie auftritt. Das machen wir uns auch bei der Bearbeitung des inneren Teams zunutze: Der Stress, der im Klienten beim Anblick seiner Skulptur entsteht, wird mit Hilfe der Techniken des ROMPC® behandelt und dadurch minimiert. Die Konfliktskulptur kann wie das Abbild des Stressors betrachtet werden, dem der Stress mit Hilfe dieser Techniken genommen wird. Verhaltenstherapeutisch betrachtet nehmen wir hier eine Exposition vor und auf dieser Basis eine Hyposensibilisierung. Das gleiche gilt für das Konfliktgeschehen zwischen zwei Menschen, das wir – wie oben dargestellt – auch als Konfliktgeschehen zwischen zwei Persönlichkeitsanteilen verstehen. Diese werden innerhalb der Darstellung in der Skulptur auch mit Hilfe der Techniken des ROMPC® behandelt und so einer Veränderung leichter zugänglich gemacht, indem der Stress in diesem Konfliktsystem gesenkt wird.

Innerhalb dieser Arbeit nutzen wir inzwischen die Unterscheidung zwischen einem strukturellen inneren Team und einem funktionellen. Das funktionelle innere Team umfasst die im vorherigen Abschnitt dargestellten Vorgehensweisen. Beim strukturellen Team geht es um als fremd erlebte Persönlichkeitsanteile, die zum Ich dazu gehören oder um als zu mir zugehörig erlebte Teile, die nicht zu mir gehören. Systemisch kommen wir hier in den Bereich der Delegationen und übernommenen Aspekte von anderen, uns nahe stehenden Personen aus unserem Familiensystem. Traumatherapeutisch handelt es sich um Sekundärtraumatisierungen.

Die unterschiedlichen Perspektiven von systemischer Arbeit einerseits und ROMPC®andererseits sind u.a.Thema in unserer Ausbildung Skulptur- und Aufstellungsarbeit mit ROMPC®.


Ausbildung: Skulptur- und Aufstellungsarbeit mit ROMPC®
Zum Thema ist ein Aufsatz verfügbar:
 ROMPC® im sytemischen Kontext